GAFCON: Eine globale Erneuerungsbewegung
Die jüngsten Erklärungen der GAFCON-Bewegung haben mancherorts die Frage aufgeworfen, ob wir Zeugen der Geburt einer neuen anglikanischen Gemeinschaft sind. Paul Donison bietet auf The Gospel Coalition hierzu eine aufschlussreiche Perspektive an, die besonders für deutsche Leser von Relevanz ist, die den anglikanischen Kontext nicht immer leicht einordnen können.
Donison erläutert, dass die sogenannte „Global Anglican Communion“ (GAC) kein Bruch mit der anglikanischen Tradition darstellt, sondern vielmehr eine Erneuerung um ihr ursprüngliches Zentrum: die Autorität der Heiligen Schrift. Er betont:
„The GAC isn’t something new—it’s the same Anglican family renewed around its original center: the authority of Scripture, read and lived out through the theological vision of the English Reformation.“
Diese Klarstellung ist wesentlich. Anglikanismus, so Donison, definierte sich von Beginn an durch ein gemeinsames Bekenntnis, das in den Neununddreißig Artikeln, dem Book of Common Prayer und dem Ordinal Ausdruck findet. Diese waren Anker biblischer Einheit, lange bevor Instrumente wie der Erzbischof von Canterbury oder die Lambeth Konferenz eine zentrale Rolle spielten.
Ein Kernproblem sei, dass die kirchenleitenden „Instrumente der Gemeinschaft“ in der anglikanischen Welt zunehmend versagt haben, Provinzen zu korrigieren, die biblische Wahrheiten leugnen. Donison zieht einen Vergleich zu Paulus‘ Konfrontation der Gemeinden, die sich „einem anderen Evangelium“ zuwandten (Gal. 1,6). Die GAFCON-Erklärung zum Märtyrertag stellt diese biblische Grundlage wieder her: „Gottes Wort – verkündigt, gelehrt und befolgt.“
Diese Rückbesinnung auf das biblische Fundament und die Lehre der Reformation ist nicht nur eine anglikanische Angelegenheit, sondern zeugt von einer breiteren Erneuerungsbewegung im globalen Christentum. Es erinnert uns daran, dass Treue zur offenbarten Wahrheit Gottes höher steht als institutionelle Zugehörigkeit, wenn Institutionen sich vom Evangelium entfernen.
Die anglikanische Reformation im 16. Jahrhundert, wie jede wahre Reformation, wurde von ihren Kritikern als Schisma bezeichnet. Doch Donison zitiert J. I. Packer, der feststellte:
„Der Rückzug aus einem System, das unorthodox geworden ist und das Evangelium verzerrt, sollte nicht Schisma, sondern Neuausrichtung genannt werden.“
Das ist es, was die GAFCON-Bewegung anstrebt: eine Neuausrichtung um das Evangelium Christi willen. Für uns in Deutschland, wo die Fragen der kirchlichen Einheit und des Bekenntnisses oft anders diskutiert werden, bietet diese Perspektive eine wichtige Einsicht: Wahre Einheit im Leib Christi gründet nicht in administrativen Strukturen oder menschlichen Absprachen, sondern in der gemeinsamen Bekenntnis zum unveränderlichen Wort Gottes und der darin offenbarten Person und dem Werk Jesu Christi. Die Treue zu Christus und Seinem Wort erfordert manchmal unbequeme Entscheidungen, aber diese Entscheidungen sind Ausdruck der Liebe zur Wahrheit und zum Seelenheil der Menschen.
Quelle: The Gospel Coalition
