Die Generation Z und die Zukunft des pastoralen Dienstes: Ein Hoffnungsschimmer?
In einer Zeit, in der viele über den Rückgang des kirchlichen Engagements und die Herausforderungen für die junge Generation klagen, bietet ein aktueller Artikel von Sarah Eekhoff Zylstra auf The Gospel Coalition eine bemerkenswert nuancierte und ermutigende Perspektive. Er beleuchtet die Generation Z, die bald die nächste Welle von Pastoren und Gemeindeleitern stellen wird, und offenbart dabei sowohl ihre Eigenheiten als auch ihre tiefgreifenden Stärken.
Der Artikel stellt Saolomon Mouacheupao vor, einen jungen Mann, der nach seiner Bekehrung zunächst erwog, der Kirche fernzubleiben, doch dann durch die Predigten, die er hörte, zur Erkenntnis gelangte, dass er die Gemeinschaft von Gläubigen brauchte. Seine Geschichte ist exemplarisch für einen größeren Trend. So stellt Zylstra fest: „Der Anstieg der MDiv-Einschreibungen an theologischen Seminaren war ‚zum ersten Mal seit vielen Jahren‘ wieder zu verzeichnen, so die Association of Theological Schools (ATS).“ Dies deutet auf eine Wiederbelebung des Interesses am pastoralen Dienst unter jungen Menschen hin.
Bemerkenswert ist, wie die Autoren die komplexen Eigenschaften dieser Generation beschreiben. Einerseits mangelt es ihnen an Selbstvertrauen und sie sind anfällig für Ablenkungen durch digitale Medien. Andererseits zeigen sie eine außergewöhnliche geistliche Tiefe und einen ernsthaften Wunsch nach authentischem Glauben. Charlie Wingard, Dekan für Studenten am Reformed Theological Seminary, wird zitiert mit den Worten: „Wenn ich sie als Ganzes betrachte, sind sie geistlich reif. Sie sind sehr ernsthaft. Sie wollen etwas über den Dienst lernen und dem Herrn treu dienen.“
Die Generation Z, so der Artikel, sehnt sich nach tieferen Wurzeln, Verbindungen und Verantwortlichkeit. Dies erklärt möglicherweise den Trend, der auch in Deutschland bei jungen Christen beobachtet wird: eine Hinwendung zu konfessionell geprägten oder liturgischen Traditionen. Saolomon Mouacheupao berichtet aus seiner Zeit am Moody Bible Institute: „Als ich im zweiten Semester war, gab es einen Trend hin zum Anglikanismus oder Katholikismus oder der Ostorthodoxie. Das ist auch heute noch so. Ich habe einen pastoralen Praktikanten, der jetzt am Moody ist, und viele seiner Kommilitonen sind Anglikaner.“
Doch ihre tiefe Skepsis gegenüber Autorität und ihre Furcht vor Machtmissbrauch stellen auch eine Herausforderung dar. Jake Baur, ein Praktikant an der Capitol Hill Baptist Church, bemerkt dazu: „Meine Generation hat kein Konzept guter biblischer Autorität. Jedes Konzept von Autorität, das wir haben, ist negativ.“ Diese Skepsis erfordert von den Gemeindeleitern von heute, biblische Autorität neu und überzeugend zu definieren und vorzuleben.
Die digitale Welt, die dieser Generation so vertraut ist, birgt auch große Gefahren, wie die Sucht nach Mobiltelefonen, verkürzte Aufmerksamkeitsspannen und der Kampf gegen Pornografie. Gleichzeitig erkennt diese Generation die Notwendigkeit, sich diesen Herausforderungen entgegenzustellen. Blair Waggett sagt: „Diese Generation kämpft härter gegen Pornografie als jede andere. Sie reden darüber. Sie wollen Demut und Verantwortlichkeit und ein zutiefst geistlich geformtes Leben.“
Trotz all dieser Herausforderungen schließt der Artikel mit einer optimistischen Note. Charlie Wingard resümiert: „Ich habe eine sehr optimistische Sichtweise für die kommenden Jahre. Wir bekommen hervorragende Studenten. Ich höre Predigten im Predigtlabor, und fast jede Woche, von jedem Studenten, höre ich ernsthafte Auslegungen von Gottes Wort.“
Für uns als anglikanisch.net ist die Beobachtung der Generation Z von großer Bedeutung. In ihrer Suche nach Authentizität, Struktur und tiefgründigem Glauben sehen wir eine Resonanz mit dem reformierten Anglikanismus. Unsere Tradition bietet biblische Treue, liturgische Ordnung und eine gefestigte Lehre, die der Sehnsucht dieser Generation nach Beständigkeit und Substanz entgegenkommen kann. Mithin ist es unsere Aufgabe, ihnen Christus in einer Weise zu präsentieren, die ihre Fragen ernst nimmt und Gottes Wort als unerschütterliche Autorität hochhält, gepaart mit einer Haltung der Demut und des Dienens. Wir dürfen gespannt sein, wie Gott diese junge Generation formt und für Sein Reich gebraucht.
Quelle: The Gospel Coalition
