Stahlhartes Rückgrat, sanftes Herz: Das Zeugnis des John Newton

In theologischen Auseinandersetzungen scheint es oft nur zwei Möglichkeiten zu geben: unnachgiebige Härte im Namen der Wahrheit oder kompromissbereite Weichheit im Namen der Liebe. Wie selten findet man Christen, die beides vereinen – ein felsenfestes theologisches Fundament und ein weites, sanftmütiges Herz. Das Leben von John Newton (1725–1807), dem Autor des weltberühmten Liedes „Amazing Grace“, ist ein eindrückliches Zeugnis dafür, dass biblische Standhaftigkeit und demütige Güte aus derselben Quelle fließen: einem tiefen Ergriffensein von der Gnade Gottes.

Ein auf der Webseite Evangelium21 erschienener Artikel zeichnet Newtons dramatischen Lebensweg nach – vom verkommenen Seemann und Kapitän von Sklavenschiffen zum treuen anglikanischen Pastor. Die Wende kam durch eine Bekehrung auf hoher See, die so radikal war wie sein früheres Leben sündhaft. Der Artikel stellt die entscheidende Frage: Woher kam die bemerkenswerte Sanftmut dieses Mannes, dessen Haus später zu einem „Zufluchtsort für Verzweifelte“ wurde? Die Antwort liegt nicht in einer angeborenen Freundlichkeit, sondern in tiefen theologischen Überzeugungen, die aus seiner Erfahrung erwuchsen. Der Autor hebt drei Wurzeln hervor: einen nüchternen Realismus über die Gebrochenheit der Welt, ein unerschütterliches Vertrauen in Gottes souveräne Vorsehung und – als tiefste Wurzel – das unaufhörliche Staunen über seine eigene Errettung. Newton vergaß nie, was für ein „Elender“ er war und wie unverdient die Gnade ist, die ihn rettete. Er schrieb selbst:

Der ‚Elende‘, der durch Gnade gerettet wurde, glaubt und spürt seine eigene Schwäche und Unwürdigkeit und lebt aus der Gnade und vergebenden Liebe seines Herrn. Das verleiht ihm eine gewohnte Sanftmut und Freundlichkeit des Geistes. Demütig aus dem Bewusstsein der ihm selbst zuteil gewordenen großen Vergebung, fällt es ihm leicht, anderen zu vergeben.

Dieses Zeugnis ist eine kraftvolle Erinnerung daran, dass gesunde Lehre und ein sanftmütiger Charakter untrennbar zusammengehören. Es ist gerade das tiefe Verständnis der eigenen Sündhaftigkeit und der überwältigenden Gnade Gottes in Christus, das ein hartes Herz weich macht. Biblische Orthodoxie, wenn sie recht verstanden wird, führt nicht zu Arroganz, sondern zu einer Demut, die sich in Geduld und Barmherzigkeit gegenüber anderen äußert. Newton zeigt uns: Je fester wir im Evangelium verwurzelt sind, desto mehr sollten wir die Frucht des Geistes tragen – insbesondere eine Liebe, die weiß, dass sie selbst alles der reinen Gnade verdankt.

Quelle: Evangelium21

Ähnliche Beiträge