Warum manche Kirchen niemals Verfolgung erleiden werden
Wird eine Kirche, die sich den Werten und Normen der säkularen Kultur anpasst, jemals von dieser Kultur Verfolgung erleiden? Diese ernste Frage stellt sich, wenn wir das Neue Testament aufschlagen, das von der Feindseligkeit der Welt gegenüber dem Evangelium spricht und die Gläubigen auf Bedrängnis vorbereitet.
In einem scharfsinnigen Kommentar, der auf Anglican Mainstream veröffentlicht wurde, geht der anglikanische Journalist David Virtue diesem Gedanken nach. Er stellt eine unbequeme These auf: Das Ausbleiben von Verfolgung bei theologisch progressiven Kirchen ist kein Zeichen ihres Erfolgs, sondern könnte ein Ausdruck des Gerichts Gottes sein, das laut der Schrift „beim Hause Gottes“ beginnt (1. Petrus 4,17).
Virtues Analyse ist direkt und herausfordernd. Er argumentiert, dass eine Kirche, die die ethischen und ideologischen Positionen der Welt widerspiegelt, für diese Welt keine Bedrohung und kein Ärgernis mehr darstellt. Der Artikel legt nahe, dass solche Kirchen niemals verfolgt werden, weil sie im Grunde nichts mehr verkünden, wogegen die Welt Einspruch erheben müsste. Sie haben sich derart angepasst, dass sie von der Kultur, die sie eigentlich erreichen sollten, nicht mehr zu unterscheiden sind.
Dieser Gedanke sollte uns nicht zu hochmütiger Verurteilung anderer verleiten, sondern zu einer demütigen Selbstprüfung führen, denn die Warnung aus dem ersten Petrusbrief gilt dem gesamten „Hause Gottes“. Die entscheidende Frage für jede Gemeinde und jeden Christen lautet nicht: „Werden wir von der Welt geliebt?“, sondern: „Sind wir dem Evangelium treu?“ Unsere Berufung ist es nicht, Verfolgung zu suchen, sondern Christus zu verkündigen – den gekreuzigten und auferstandenen Herrn, der allein Sünde vergeben und Leben verwandeln kann. Wo dieses Evangelium in Liebe und Klarheit bezeugt wird, entsteht unweigerlich Reibung mit einer Welt, die unter der Herrschaft der Sünde steht. Wo es jedoch verschwiegen oder durch ein anderes Evangelium ersetzt wird, mag es Beifall von der Welt geben, aber es ist ein Applaus für eine leere Hülle. Möge Gott uns die Gnade geben, treue Zeugen zu sein, die mehr die Anerkennung Gottes als den Beifall der Menschen suchen.
Quelle: Anglican Mainstream
