Bundestreue ohne Sonderwege: Der Jerusalemer Notfallgipfel und das Zeugnis der Kirche

Ein ausgebrannter Krankenwagen im Londoner Stadtteil Golders Green und tätliche Angriffe auf jüdische Passanten zeigen: Der grassierende Antisemitismus ist keine theoretische Gefahr. Er entlädt sich konkret auf unseren Straßen. Vor diesem Hintergrund versammelten sich über 200 christliche Theologen und Gemeindeleiter aus mehr als 30 Ländern in Jerusalem zu einem Notgipfel. Tola Mbakwe berichtet für Premier Christian News über dieses Treffen, das ein klares Zeichen gegen den Hass setzen und das Verhältnis der Kirche zu Israel neu vermessen wollte.

Die dreitägige Konferenz, einberufen von der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem (ICEJ), reagierte auf die weltweit eskalierende Feindseligkeit gegenüber jüdischen Gemeinschaften seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023. Neben der gesellschaftlichen Bedrohung stand eine theologische Debatte im Zentrum: die Warnung vor einer sogenannten „Ersatztheologie“ (Substitutionstheologie), die lehrt, die Kirche habe das jüdische Volk in Gottes Heilsplan abgelöst. Dr. Jürgen Bühler, Präsident der ICEJ, erklärte:

„Wir leben in einem entscheidenden Moment für die Kirche, da der Antisemitismus nach dem Terrorangriff vom 7. Oktober weltweit alarmierend zunimmt und zu viele christliche Leiter mit Schweigen reagieren. […] Aus diesem Grund berufen wir den Jerusalemer Gipfel ein, um christliche Leiter zu befähigen, dem modernen Antisemitismus entgegenzutreten, die biblische Klarheit über Israel wiederherzustellen und das Zeugnis der Kirche in einer Zeit moralischer Verwirrung zu stärken.“

Um dieses Anliegen dogmatisch zu verankern, verabschiedeten die Teilnehmer die „Jerusalemer Bestätigung des nizänischen Glaubens“. Das Dokument bekräftigt das altkirchliche Nizänum, betont jedoch zusätzlich die jüdische Identität Jesu sowie die normative Rolle der Hebräischen Schriften.

Es ist notwendig und biblisch geboten, das Schweigen angesichts des neuen Judenhasses zu brechen. Für Christen verbietet sich jede Form von Antisemitismus von selbst. Die Heilige Schrift bezeugt unmissverständlich, dass das Heil „aus den Juden“ kommt (Johannes 4,22). Die physischen Nachkommen Abrahams zu hassen, widerspricht dem Kern des göttlichen Liebesgebots. Wer den Gott der Bibel anbetet, steht an der Seite der Bedrohten.

Doch die theologische Stoßrichtung des Gipfels verlangt nach einer nüchternen Prüfung. Die Sorge vor einer harten „Ersatztheologie“, die Gottes Treue zu seinen historischen Verheißungen leugnet, ist berechtigt. Die Alternative darf jedoch nicht in einen christlichen Zionismus abgleiten, der den säkularen Staat Israel unkritisch sakralisiert oder gar eine „Zwei-Wege-Theologie“ nahelegt, nach der jüdische Menschen einen Heilsweg an Christus vorbei hätten.

Das Neue Testament lehrt weder eine plumpe Verdrängung Israels noch zwei getrennte Heilswege. Der Apostel Paulus zeichnet in Römer 11 das Bild des einen edlen Ölbaums. Nicht-jüdische Gläubige werden nicht als Ersatz gepflanzt, sondern als wilde Zweige in den bestehenden jüdischen Ölbaum eingepfropft. Die Gemeinde ist somit die durch Christus erweiterte Bundesgemeinschaft aus Juden und Heiden. Alle Verheißungen Gottes haben ihr unumstößliches „Ja“ und „Amen“ in Jesus Christus (2. Korinther 1,20) – er ist der wahre Israelit, der Same Abrahams, in dem alle Völker gesegnet werden.

Zudem wirft der Versuch, das historische Nizänische Glaubensbekenntnis durch eine geopolitisch aufgeladene „Bestätigung“ zu ergänzen, systematische Fragen auf. Das Nizänum konzentriert sich präzise auf die Trinität und die Christologie. Es schwächt das ökumenische Zeugnis der Kirche, wenn diese fundamentalen Ur-Bekenntnisse nachträglich mit spezifischen heilsgeschichtlichen Sonderlehren verknüpft werden.

Wahre Liebe zum jüdischen Volk zeigt sich zweifach: im tatkräftigen Schutz jüdischer Mitmenschen vor Gewalt und im kompromisslosen Festhalten an der Wahrheit, dass Jesus der Messias ist – für Juden und für Heiden gleichermaßen. Nur auf diesem biblischen Fundament bleibt das Zeugnis der Kirche klar und unbestechlich.

Der vollständige Artikel ist hier zu lesen: Premier Christian News

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