Es gibt kein moralisches Vakuum: Warum der Staat niemals weltanschaulich neutral ist
Wer bestimmt eigentlich, was in unseren Gesetzen als „gerecht“ gilt, wenn Gott aus der Öffentlichkeit verbannt wird? Wenn im Zuge vermeintlicher staatlicher Neutralität Kreuze aus Gerichtssälen oder Schulen weichen müssen, entsteht kein wertfreier Raum. Wo das christliche Fundament abgetragen wird, bleibt kein Vakuum; es rückt lediglich eine andere Weltanschauung nach, die denselben absoluten Geltungsanspruch erhebt.
In seinem Artikel für The Christian Post legt Joseph Mattera dar, dass die verfassungsrechtliche Trennung von Kirche und Staat im modernen westlichen Denken gründlich missverstanden wird. Er argumentiert, dass diese Trennung niemals als eine Trennung des Staates von Gott oder von objektiven moralischen Maßstäben gedacht war. Laut Mattera ist der Glaube an einen weltanschaulich neutralen öffentlichen Raum eine Illusion. Jedes Gesetz, jede Rechtsprechung und jede gesellschaftliche Norm basiere letztlich auf einer bestimmten Vorstellung von Moral und Gerechtigkeit. Wenn das biblische Fundament verworfen wird, füllt der säkulare Humanismus diese Lücke – mit eigenen Dogmen, die keinen Widerspruch dulden.
Säkularismus ist kein neutraler Schiedsrichter zwischen konkurrierenden Religionen; er ist selbst eine Religion, die versucht, alle anderen aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen.
Mattera benennt hier eine fundamentale Wahrheit, die im säkularisierten Europa oft verschleiert wird. Ein Staat kann nicht wertneutral sein. Gesetze, die Diebstahl verbieten, die Ehe definieren oder das ungeborene Leben schützen, treffen zutiefst moralische Aussagen. Aus einer reformierten Perspektive ist diese Erkenntnis unumstößlich: Jesus Christus ist nicht nur der unsichtbare Herr der Kirche, sondern der rechtmäßige König über die gesamte Schöpfung, wie es der Kolosserbrief bezeugt. Es gibt keinen Bereich der menschlichen Existenz, über den Christus nicht Seine Herrschaft beansprucht.
Dennoch müssen Christen achtsam sein, wie sie diese Wahrheit im öffentlichen Raum vertreten. Es geht nicht darum, eine Theokratie mit politischen Machtmitteln zu erzwingen. Die Reformation hat die heilsame Unterscheidung zwischen dem geistlichen Reich Christi (das durch das gepredigte Wort regiert wird) und dem weltlichen Regiment (das für Ordnung und äußere Gerechtigkeit sorgt) betont. Diese Unterscheidung bedeutet jedoch keine Trennung von Gottes moralischem Maßstab. Der Staat ist als Gottes Diener eingesetzt, um das Gute zu fördern und das Böse zu strafen, wie der Apostel Paulus im Römerbrief schreibt. Er ist Gott gegenüber rechenschaftspflichtig.
Für Gläubige bedeutet dies, sich nicht aus dem öffentlichen Diskurs einschüchtern zu lassen. Der Anspruch, dass christliche Argumente in Gesetzgebungsverfahren nichts verloren hätten, weil sie religiös seien, entlarvt sich selbst als Herrschaftsanspruch einer konkurrierenden säkularen Religion. Wenn Christen für das Lebensrecht, für die Integrität der Familie oder für soziale Gerechtigkeit eintreten, tun sie dies im Bewusstsein, dass Gottes Schöpfungsordnungen dem Wohl allen menschlichen Zusammenlebens dienen.
Wahre Toleranz verbannt den Glauben nicht ins Private. Sie zeigt sich im friedlichen, aber entschiedenen Wettstreit der Weltanschauungen. Sind wir bereit, die vermeintliche Neutralität des Säkularismus zu hinterfragen und Gottes Maßstäbe wieder mutig als das einzig tragfähige Fundament für ein gelingendes Gemeinwesen zu bezeugen?
Der vollständige Artikel ist hier zu lesen: The Christian Post
