John Hooper, die Gewänder und die Weite des reformatorischen Anglikanismus

Am 9. Februar 1555 starb John Hooper als Märtyrer des evangelischen Glaubens. Ein Artikel auf der Webseite anglicanism.info erinnert an diesen „Vater des Puritanismus“ und seine anfängliche Weigerung, die liturgischen Gewänder eines Bischofs zu tragen. Diese historische Debatte wirft eine zeitlose Frage auf: Wie unterscheiden wir zwischen unverhandelbaren Glaubenswahrheiten und nachrangigen Ordnungsfragen, den sogenannten Adiaphora?

Der Artikel berichtet, wie John Hooper nach seinem Exil in Zürich zum Bischof von Gloucester ernannt wurde, das Amt aber zunächst ausschlug und eine Haftstrafe in Kauf nahm, anstatt die, wie er meinte, „päpstlichen Lumpen voller Aberglauben“ zu tragen. Seine Haltung wurzelte in einer theologischen Überzeugung, die als das „regulative Prinzip“ bekannt wurde. Anstatt dem gängigen reformatorischen Grundsatz zu folgen, dass in der Kirche alles erlaubt sei, was der Schrift nicht widerspricht, bestand Hooper darauf, dass alles, was im Gottesdienst verwendet wird, „das ausdrückliche Wort Gottes zur Unterstützung haben muss“.

Diese prinzipientreue Haltung war charakteristisch für die Puritaner, die J. I. Packer als das Gewissen der englischen Reformation betrachtete. Der Artikel zitiert Packer mit folgenden Worten:

„Die großen Puritaner waren Männer von herausragender intellektueller Kraft und geistlicher Einsicht, in denen sich die durch nüchterne Gelehrsamkeit geförderten Denkgewohnheiten mit einem brennenden Eifer für Gott und einer genauen Kenntnis des menschlichen Herzens verbanden. All ihre Werke verraten diese einzigartige Verschmelzung von Gaben und Gnaden. Sie hatten eine radikal auf Gott ausgerichtete Sichtweise. Ihre Wertschätzung der souveränen Majestät Gottes war tiefgreifend; ihre Ehrfurcht im Umgang mit Seinem Wort war tief und beständig. … sie verstanden die Wege Gottes mit den Menschen, die Herrlichkeit Christi, des Mittlers, und das Wirken des Geistes im Gläubigen und in der Kirche reicher, vollständiger und genauer, vielleicht als irgendjemand seit ihrer Zeit.“

Dennoch, so führt der Artikel aus, ließ sich Hooper letztlich überzeugen, dass die Gewänderfrage kein Punkt sei, für den es sich zu sterben lohne, wenn sie ihn von der Möglichkeit ausschlösse, das Evangelium zu verkündigen. Er diente bis zu seinem Tod treu als Bischof in der Kirche von England. Dieses Beispiel, so der Autor, veranschaulicht eine grundlegende Weitherzigkeit im historischen Anglikanismus: die Unterscheidung zwischen heilsnotwendigen Wahrheiten und Adiaphora. Diese Haltung sei die ursprüngliche Bedeutung der anglikanischen „via media“, wie das Zitat von Oliver O’Donovan unterstreicht:

„Ihre Mäßigung bestand vielmehr in einer entschlossenen Politik, die Wesensmerkmale des Glaubens und der Kirchenordnung von den Adiaphora zu trennen … Anglikanische Mäßigung ist die Politik, starke Aussagen und Überzeugungen für die wenigen Dinge aufzusparen, die sie wirklich verdienen … Aber genau das, und nicht eine vermeintliche ‚Mitte‘ zwischen katholisch und protestantisch, verleiht ihr eine kritisch wichtige Rolle…“

Hoopers Beispiel ist eine eindringliche Mahnung, dass die Grenze zwischen Bekenntnistreue und Sektierertum oft dort verläuft, wo wir sekundäre Fragen in den Rang von Heilsnotwendigkeiten erheben. Seine letztendliche Entscheidung war kein Kompromiss im Glauben, sondern eine Neuausrichtung der Prioritäten um des Evangeliums willen. Das hier beschriebene anglikanische Prinzip, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden, bietet so einen Weg zu theologischer Integrität und geschwisterlicher Einheit – eine Lektion, die auch im Kontext deutscher Frömmigkeit von unschätzbarem Wert ist.

Der vollständige Artikel „Hooper, Vestments, and Anglican Generosity“ ist hier zu lesen: https://www.anglicanism.info/writing/hooper-vestments-and-anglican-generosity

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