Das Herz des Anglikanismus: Kraft für ein authentisches Leben

In einem aufschlussreichen Artikel für Crossway geht der renommierte Theologe und Cranmer-Forscher Ashley Null einer entscheidenden Frage nach: Was ist der bleibende Wert der englischen Reformation? Er zeigt auf, dass die damaligen geistlichen Herausforderungen – der schwindende Einfluss der Heiligen Schrift und ein Mangel an wirklich veränderten Leben – auch die unseren sind. Damit bietet die reformatorische anglikanische Theologie eine tiefgreifende, auf dem Evangelium basierende Antwort auf die Nöte der Kirche im 21. Jahrhundert.

Der Autor legt dar, dass die mittelalterliche Kirche den Menschen ein System auferlegt hatte, in dem sie sich die Vergebung Gottes verdienen mussten. Dieser Ansatz schnitt die Gläubigen jedoch von der einzigen Kraftquelle ab, die sie von innen heraus verändern konnte. Ashley Null fasst die fatale Konsequenz zusammen: „Die unbiblische Lehre der mittelalterlichen Kirche hatte die Christen dazu gebracht, ein unechtes menschliches Leben zu führen.“ Die Reformatoren, unter ihnen Thomas Cranmer, der Erzbischof von Canterbury, stellten dem die biblische Lehre von der Rechtfertigung des Sünders allein aus Glauben entgegen. Sie erkannten, dass „nur die Dankbarkeit für das unverdiente Geschenk der Erlösung in den Christen eine Liebe zu Gott und ein gottgefälliges Leben hervorbringen würde“.

Null sieht eine beunruhigende Parallele in der heutigen westlichen Christenheit. Ob konservativ, progressiv oder dem Wohlstandsevangelium zugeneigt – oft lautet die Botschaft unterschwellig, man müsse sich erst als gut genug für Gott erweisen. Die einen betonen persönliche Moral, die anderen soziales Engagement. Doch der Fokus auf das eigene Tun, anstatt auf das vollbrachte Werk Christi, ist eine Rückkehr zu dem Problem, das die Reformation bereits überwunden hatte. Cranmers Werk – seine Gebetbücher, die Lehrartikel und die Predigtsammlungen – war ein systematischer Versuch, die Kirche pastoral neu auf das Evangelium der Gnade auszurichten. Dieses Erbe ist das Herz des reformatorischen Anglikanismus.

Die klare Unterscheidung zwischen einem Glauben, der auf moralischer Anstrengung beruht, und einem Leben, das aus dankbarer Freude an der unverdienten Gnade fließt, ist von zeitloser Bedeutung. Sie fordert uns heraus, unsere eigene Verkündigung und unser eigenes Herz zu prüfen. Die englische Reformation erinnert uns daran, dass die Kraft zur Heiligung nicht in unseren Vorsätzen liegt, sondern allein in der befreienden Erkenntnis der bedingungslosen Liebe Gottes, die uns in Jesus Christus begegnet.

Der Artikel von Ashley Null erschien ursprünglich bei Crossway und ist hier im englischen Original zu lesen: https://www.crossway.org/articles/why-we-need-reformation-anglicanism-2/

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