Glaube und Vernunft: Eine Reflexion über Gottesbeweise

In unserer aufgeklärten Zeit wird die Frage nach Gott oft an den Maßstab der Beweisbarkeit gelegt. Der Autor Peter Mullen greift in einem Artikel für TCW, den wir über Anglican Mainstream gefunden haben, diese Herausforderung auf und reflektiert über die Natur des Glaubens im Angesicht der modernen Skepsis.

Mullen beginnt seine Betrachtung mit den pointierten Äußerungen des Zoologen Richard Dawkins, der den Glauben an Gott dem Glauben an Feen oder den Weihnachtsmann gleichsetzt. Müllens Antwort darauf ist nüchtern und doch tiefgründig. Er schreibt:

„Believing in God is like believing in fairies or in Santa Claus.’ Or, if it comes to it, believing in the words of Richard Dawkins. He thinks that if God exists we ought to be able to see […]

Mullen hinterfragt die Annahme, dass Gottes Existenz den gleichen sichtbaren oder empirischen Beweis erfordert wie Dinge in der physischen Welt. Er argumentiert subtil, dass sowohl die absolute Behauptung, Gott existiere, als auch die absolute Behauptung, Gott existiere nicht, eine Form des Glaubens erforderten, die über den rein naturwissenschaftlichen Beweis hinausgeht. Denn selbst die Abwesenheit eines Gottes kann nicht durch Beobachtung abschließend bewiesen werden; es bleibt eine metaphysische Schlussfolgerung.

Diese Einsicht ist für uns als Christen in Deutschland von Bedeutung. Sie erinnert uns daran, dass unser Glaube nicht auf einer bloßen Beweislast ruht, die wir anderen aufzuerlegen hätten. Vielmehr gründet sich der christliche Glaube auf die Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus, bezeugt durch die Heilige Schrift und erfahren im Wirken des Heiligen Geistes. Es ist nicht primär eine Frage des Sehens im empirischen Sinne, sondern des Erkennens und Vertrauens. Die Klarheit des Evangeliums liegt nicht in einer lückenlosen logischen Ableitung, sondern in der unwiderstehlichen Kraft der guten Nachricht von Erlösung und Neuschöpfung. Während Vernunft und intellektuelle Redlichkeit wertvoll sind, ist es letztlich das Zeugnis der Auferstehung und die Verheißung des ewigen Lebens, die zum Glauben einladen – eine Einladung, die über jede rein menschliche Beweisführung hinausgeht und eine tiefere Wahrheit offenbart: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.“ (Matthäus 4,4)

Quelle: Anglican Mainstream

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