Das Smartphone als Ring der Macht: Eine Warnung nach Tolkien
In einer Zeit, in der das Smartphone unser ständiger Begleiter ist, wirft ein Artikel von J.T. Reeves auf The Gospel Coalition eine provokante Frage auf: Hat J.R.R. Tolkien bereits im Jahr 1954 das Smartphone vorausgesehen, als er den „Ring der Macht“ beschrieb? Diese Analogie lädt zur Selbstprüfung ein und mahnt zur Wachsamkeit im Umgang mit moderner Technologie.
Reeves zitiert Tolkien, der die besessene Beziehung zu seinem Ring beschreibt:
Es wäre auf gewisse Weise eine Erleichterung, nicht mehr damit behelligt zu werden. Es hat sich in letzter Zeit so sehr in meinen Geist geschlichen. Manchmal hatte ich das Gefühl, es wäre wie ein Auge, das mich ansieht. Und ich möchte es immer anziehen und verschwinden, wissen Sie; oder mich fragen, ob es sicher ist, und es herausziehen, um sicherzugehen. Ich habe versucht, es wegzuschließen, aber ich konnte nicht ruhen, ohne es in meiner Tasche zu haben. Ich weiß nicht warum. Und ich scheine mich nicht entscheiden zu können.
Diese Zeilen, so Reeves, diagnostizieren präzise das Gefühl vieler Menschen im Smartphone-Zeitalter: die Bürde eines unwiderstehlichen Objekts, das danach strebt, zu dominieren. Der Autor hat ChatGPT zum Ring der Macht befragt und die Ergebnisse in sechs Punkten zusammengefasst, die auf bemerkenswerte Weise das Smartphone charakterisieren:
- Kontrolle: Das Smartphone will alles erreichen, beherrschen und kontrollieren.
- Verstärkung: Es verstärkt unsere natürlichen Fähigkeiten, verführt uns mit verdrehten Versionen unserer Wünsche und spiegelt unsere Begierden wider.
- Unsichtbarkeit: Es versetzt uns in einen „geisterhaften“ Zustand, in dem wir glauben, unentdeckt agieren zu können.
- Sucht: Wie der Ring hat auch das Smartphone einen eigenen Willen; es verführt und korrumpiert seinen Träger über die Zeit hinweg.
- Verbindung: Es schafft eine „spirituelle Bindung“ zu seinem Urheber und erlaubt diesem, uns zu beeinflussen.
- Verlängertes, aber nicht wahres Leben: Es verspricht eine Art von Ewigkeit, zehrt aber an Seele und Körper.
Diese Parallelen sind beunruhigend und erinnern uns daran, dass Technologie nicht neutral ist. Reeves zitiert Jacques Ellul: „Ihre Technik wurde nicht einfach dazu gemacht, benutzt zu werden – sie wurde dazu gemacht, Sie zu benutzen.“ Die ständige Verfügbarkeit von Informationen, die Möglichkeit zum Vergleich, der Zugang zu Versuchungen durch das Smartphone stellen Gläubige vor enorme Herausforderungen.
Der Artikel schließt mit einem bewegenden Bericht über einen Studenten, der sein Smartphone während eines Gebetsgottesdienstes demonstrativ in den Müll warf, um sich aus dessen Bindung zu befreien. Solche radikalen Schritte, so Reeves, sollten in unseren Gemeinden nicht die Norm, aber doch eine normalisierte Option sein. Jesus fragte nicht selten unbequeme Fragen und forderte seine Jünger zu entschiedenem Handeln auf, wenn es um das Reich Gottes ging. Die Liebe zu Christus sollte uns befähigen, auch von „kostbaren“ Dingen Abstand zu nehmen, sollten sie unser Herz von Ihm ablenken oder uns in Sünde führen.
Wir tun gut daran, unsere Beziehung zu unseren „Ringen der Macht“ kritisch zu hinterfragen. Es geht nicht darum, Technologie pauschal zu verteufeln, sondern darum, ihre dominierende Kraft zu erkennen und bewusst Entscheidungen zu treffen. Als Christen wissen wir um die Verführbarkeit des menschlichen Herzens und die Notwendigkeit der Heiligung. Möge der Geist Gottes uns die Weisheit schenken, unsere Werkzeuge so zu nutzen, dass sie uns auf dem Weg zu Christus nicht hinderlich sind, sondern uns in der Anbetung und Nachfolge fördern.
Quelle: The Gospel Coalition
