Die Verlockung der einfachen Lösung: Wo Mitgefühl auf die Souveränität Gottes trifft
Stellen Sie sich das Gespräch vor: Ein junger Mann, 26 Jahre alt, kämpft mit Diabetes, Teilblindheit und Depression. Er sieht keinen Ausweg mehr und bittet den Staat um Hilfe beim Sterben. In Kanada wird diese Bitte nicht als Hilfeschrei abgewiesen, sondern als legitimer Wunsch nach „assistiertem Sterben“ anerkannt. Die Tragödie liegt nicht nur im Tod selbst, sondern in der systemischen Erlaubnis, das Leben eines Menschen als Last zu bewerten, die man durch den Tod erleichtern kann.
Der Artikel von Iona Cleave berichtet über den Fall von Kiano Vafaeian, der durch das kanadische System der assistierten Reproduktion (MAID) gestorben ist, obwohl er keine terminale Krankheit im klassischen Sinne hatte. Laut dem Autor wurde dieser junge Mann, dessen Leiden zwar real, aber nicht unheilbar war, für die Euthanasie zugelassen, weil seine Behinderungen und seine psychische Belastung als hinreichend erachtet wurden. Die Mutter des Verstorbenen verurteilt dies scharf als einen „Fehler der Ethik, der Rechenschaftspflicht und der Menschlichkeit“.
Der Kern dieses erschreckenden Berichts lenkt den Blick auf die tief verwurzelte Spannung zwischen menschlichem Mitgefühl und der biblischen Lehre von der Heiligkeit des menschlichen Lebens. Der Autor erkennt zu Recht, dass hier ein System versagt hat, das nicht in der Lage ist, echtes Leiden von dem Wunsch nach Beendigung des Lebens zu unterscheiden, ohne dabei die Würde des Menschen zu verletzen. Wo der Staat die Tötung des leidenden Bürgers zur letzten und besten Form der Fürsorge erklärt, untergräbt er die fundamentalen ethischen Fundamente.
Aus einer gefestigten, reformierten Perspektive ist die Gefahr offensichtlich: Wenn der Mensch selbst die alleinige Autorität über Beginn und Ende seines Lebens beansprucht, wird das Leben zu einer Ressource, deren Wert von seiner subjektiven „Lebensqualität“ abhängt. Die Bibel jedoch lehrt uns, dass der Mensch nicht sich selbst gehört. Wir sind Eigentum Christi, erworben durch seinen Tod am Kreuz (1. Kor 6,19-20). Das Leben, in seiner ganzen Zerbrechlichkeit, seinen Krankheiten und seiner Dunkelheit, ist ein Geschenk, das von Gott eingesetzt wurde und nur von ihm beendet werden kann.
Die Diagnose einer Depression oder einer chronischen Krankheit ist ein Ausdruck der gefallenen Welt, nicht ein Freibrief zur Selbstzerstörung oder zur staatlich sanktionierten Tötung. Unser Auftrag als Christen ist es nicht, das Leiden durch Abschaffung des Leidenden zu eliminieren, sondern dem Leidenden beizustehen, ihn zu lieben und ihm die Hoffnung des Evangeliums zu verkünden. Das Evangelium von Jesus Christus ist die ultimative Antwort auf menschliche Verzweiflung. Es verspricht nicht die Entfernung aller Schmerzen vor der Auferstehung, sondern die Gewissheit, dass unser gegenwärtiges Leiden nie schwerer wiegt als die Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll (Röm 8,18).
Wenn wir die biblische Sicht auf die Souveränität Gottes in der Schöpfung und Erlösung bekräftigen, erkennen wir, dass ein Mensch niemals eine Last darstellen kann. Jedes Leben, ungeachtet seiner Fähigkeiten oder Behinderungen, trägt den unantastbaren Abdruck des Schöpfers. Die kanadische Praxis spiegelt eine Welt wider, die nach schnellen Lösungen sucht, aber die tiefste Wunde des Menschen – die Trennung von Gott – mit einem Messer statt mit dem Evangelium behandeln will. Die wahre Menschlichkeit zeigt sich nicht in der Erlaubnis zur Flucht, sondern in der standhaften Liebe, die im Kreuz Jesu ihren höchsten Ausdruck findet.
Der vollständige Artikel ist hier zu lesen: Man, 26, euthanised because he was diabetic and blind
