Das Mahl der Begnadigten: Warum das Abendmahl kein Test für Fortgeschrittene ist

Manche Momente im Gottesdienst fühlen sich eher nach einer Anklage als nach einer Einladung an. Wenn das Brot gebrochen und der Kelch erhoben wird, beginnt in vielen Bankreihen ein nervöser geistlicher Kassensturz. Habe ich diese Woche genug gebetet? War ich geduldig genug? Bin ich überhaupt würdig?

Sean DeMars beschreibt in seinem Artikel für The Gospel Coalition genau diese Lähmung: Er blieb sitzen, während die Gemeinde nach vorne trat. Aus Angst, das Gericht Gottes über sich zu bringen, wählte er die „funktionale Selbst-Exkommunikation“. Doch DeMars hinterfragt, ob diese Form der introspektiven Selbstprüfung wirklich das ist, was der Apostel Paulus im Sinn hatte.

Das Abendmahl ist das Geschenk Christi an Sünder, die Gnade brauchen, und keine Strafe für diejenigen, die keine perfekte Woche hinter sich haben. Die primäre Qualifikation für den Tisch ist die Vereinigung mit Christus und die Bereitschaft, in Einheit mit seinem Volk zu leben.

Der Artikel legt den Finger in eine offene Wunde evangelikaler Frömmigkeit. Wir haben das Abendmahl oft so sehr „eingezäunt“, dass es für den angefochtenen Christen unerreichbar scheint. DeMars erinnert uns daran, dass Paulus in 1. Korinther 11 nicht zu einer isolierten Inventur privater Sünden aufrief. Der Kontext der Korinther war ein sozialer: Die Reichen demütigten die Armen; die Einheit des Leibes wurde mit Füßen getreten. Das „Nicht-Unterscheiden des Leibes“ war kein Mangel an psychologischer Tiefe, sondern ein Mangel an geschwisterlicher Liebe.

Diese Einsicht ist befreiend und biblisch präzise. Wenn wir das Abendmahl primär als einen Moment für privates Seelen-Screening missverstehen, trainieren wir den Gläubigen unbewusst an, sich genau von dem Gnadenmittel zu entfernen, das Gott zur Stärkung ihres schwachen Glaubens gegeben hat. Wer wegen seiner Sündhaftigkeit dem Tisch fernbleibt, hat das Evangelium paradoxerweise in diesem Moment gegen ein Verdienstsystem eingetauscht. Wir kommen nicht zum Tisch, weil wir rein sind, sondern weil wir Reinigung brauchen.

In einer gesunden, reformierten Ekklesiologie ist die „Einzäunung des Tisches“ eine Aufgabe der Hirten, um den Ungläubigen und den beharrlich Unbußfertigen zu schützen. Aber für den kämpfenden Christen, der unter seiner Lust, seinem Neid oder seiner Lieblosigkeit leidet, ist der Tisch der Ort der Wiederherstellung. Die Aufforderung „Prüfe sich selbst“ zielt nicht darauf ab, eine makellose Bilanz vorzuweisen, sondern die eigene Bedürftigkeit festzustellen und den Blick auf das versöhnte Miteinander der Gemeinde zu richten.

Es ist ein Akt des geistlichen Hochmuts, sich selbst ein Sakrament zu verweigern, das Christus ausdrücklich für die Müden und Beladenen eingesetzt hat. Wer mit seinen Sünden ringt, gehört an den Tisch – nicht als Belohnung für einen Sieg, sondern als Nahrung für den Kampf. Der Gehorsam gegenüber dem Gebot Christi, „Dies tut zu meinem Gedächtnis“, beginnt oft genau dort, wo wir unsere eigene Unwürdigkeit anerkennen und uns ganz auf seine Würdigkeit verlassen.

Der vollständige Artikel ist hier zu lesen: The Gospel Coalition

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