Bekenntnis vor Institution: Die Neuordnung der weltweiten Anglikaner
Im März 2026 versammelten sich über 450 anglikanische Leiter in Abuja, Nigeria, unter einem Leitwort, das keinen Raum für Unverbindlichkeit lässt: „Wählt heute, wem ihr dienen wollt“ (Josua 24,15). Es war kein gewöhnliches Kirchentreffen, sondern der formale Vollzug einer tektonischen Verschiebung innerhalb der weltweiten Christenheit. Die dort verabschiedete „Abuja-Erklärung“ markiert das Ende einer Ära, in der anglikanische Identität primär über die institutionelle Verbindung zum Erzbischof von Canterbury definiert wurde.
Der Text der Erklärung lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Laut dem Verfasser, Erzbischof Dr. Laurent Mbanda, ist die Neuordnung der Anglikanischen Gemeinschaft zwingend geworden, da maßgebliche Institutionen in England – die sogenannten „Canterbury Instruments“ – die Autorität der Heiligen Schrift preisgegeben haben. Der Kern des Konflikts liegt tiefer als die oft zitierten Fragen der Sexualethik; diese sind lediglich Symptome einer fundamentalen Abkehr von der biblischen Lehre und den reformatorischen Bekenntnissen (den 39 Artikeln und dem Book of Common Prayer von 1662).
„Es gibt nicht zwei Gemeinschaften, sondern zwei unvereinbare Definitionen von Gemeinschaft – die eine bekenntnisorientiert, die andere institutionell.“
Die Erklärung beschreibt, wie die Führung in Canterbury versucht habe, eine „Fiktion des gemeinsamen Gehens“ aufrechtzuerhalten, während man sich faktisch von der Wahrheit des Evangeliums entferne. Dieser Kurs habe die moralische und geistliche Autorität des Sitzes von Canterbury zerstört. Als Konsequenz fordert das Dokument ein „prinzipientreues Engagement“: Wer Leitungsverantwortung in der neuen Global Anglican Communion übernimmt, wird nicht mehr an den von Canterbury einberufenen Konferenzen teilnehmen oder diese finanziell unterstützen.
Theologisch gesehen greift die Abuja-Erklärung auf ein ur-reformatorisches Kirchenverständnis zurück. Die Kirche ist eine creatura verbi – ein Geschöpf des Wortes. Gemeinschaft (Koinonia) existiert nicht durch historische Tradition oder kirchenrechtliche Strukturen an sich, sondern durch das gemeinsame Hören auf die Stimme des guten Hirten in seinem Wort. Wenn die Institution zur Hülle wird, die auch Irrlehre umschließt, verliert sie ihren Anspruch auf Gehorsam. Die Unterzeichner betonen daher, dass sie keine „Abspaltung“ vollziehen, sondern die ursprüngliche anglikanische Gemeinschaft von innen heraus neu ordnen und zu ihren biblischen Wurzeln zurückführen.
Für Gläubige in Deutschland, die oft in ähnlichen institutionellen Zerfallsprozessen stehen, bietet dieses Dokument eine wichtige Orientierung. Es erinnert daran, dass christliche Einheit kein Selbstzweck ist, sondern Frucht der Einheit mit Christus und seinem Wort (Johannes 17). Die „Abuja-Erklärung“ stellt klar, dass wahre Ökumene und Gemeinschaft immer bekenntnisgebunden sein müssen. Die Einladung steht: Teil der „Global Anglican Communion“ ist jeder, der sich dem biblischen Evangelium unterstellt, wie es in der Jerusalem-Erklärung von 2008 formuliert wurde – unabhängig davon, ob nationale Strukturen diesen Weg mitgehen oder nicht.
Letztlich provoziert Abuja eine Frage, die weit über das Anglikanertum hinausreicht: Woran hängt unser Herz – an der Sicherheit einer vertrauten Institution oder an der ungeschmälerten Autorität des geschriebenen Wortes Gottes?
Der vollständige Artikel ist hier zu lesen: gafconinternational.com
