Ratschläge retten niemanden: Warum das Evangelium kein Coaching ist
Das Wort „Evangelium“ ist heute oft nur noch ein religiöser Weichspüler, ein vages Etikett für alles, was irgendwie mit Glauben oder Freundlichkeit zu tun hat. Wenn wir jedoch alles damit bezeichnen, bedeutet es am Ende gar nichts mehr. Ligon Duncan und Matt Smethurst legen in ihrem Gespräch den Finger in eine Wunde, die viele Gemeinden schleichend auszehrt: die fatale Verwechslung von guter Nachricht mit gutem Ratschlag.
Duncan beobachtet eine gefährliche Tendenz: Wir leugnen das Evangelium nicht unbedingt, wir setzen es schlicht voraus. Wer es aber nur noch voraussetzt, hört auf, es zu verkündigen. Er ersetzt die Nachricht vom vollendeten Werk Christi durch nützliche Tipps für die Lebensbewältigung. Plötzlich wird aus der Proklamation des Sieges Jesu ein Coaching für die Ehe oder ein Motivationsvortrag für soziales Engagement. Smethurst mahnt zur Präzision: Das Evangelium ist das, was Gott bereits getan hat. Alles andere – so wichtig es ist – stellt die Antwort darauf dar, nicht die Nachricht selbst.
Das Evangelium ist kein Selbsthilfe-Ratschlag oder vage spirituelle Ermutigung, sondern die frohe Botschaft dessen, was Gott in Jesus Christus getan hat, um Sünder zu retten.
Hier steht mehr auf dem Spiel als theologische Semantik. Wer die Nachricht (Gospel) mit den Folgen (Fruits) vermischt, landet unweigerlich in einer neuen Form von Werkgerechtigkeit. Es ist der Tod der Gewissheit. Wenn das Heil an die Qualität unserer Antwort geknüpft wird, blicken wir wieder auf uns selbst statt auf das Kreuz. Ein robuster Glaube lebt jedoch von der „Extra-Nos“-Natur der Rettung: Die Gerechtigkeit, die vor Gott zählt, liegt außerhalb von uns. Sie wurde vor zweitausend Jahren auf Golgatha und im leeren Grab erkämpft.
Diese biblische Klarheit, die wir auch im elften der 39 Artikel unseres Bekenntnisses finden, ist das einzige Gegengift gegen den moralischen Erschöpfungszustand in unseren Kirchen. Wir brauchen keine neuen Strategien, um uns selbst zu optimieren. Wir brauchen die Nachricht von Gottes Gnade, die für den Selbstreformer ein Ärgernis bleibt, weil sie ihn entmachtet. Nur eine Botschaft, die uns nichts abverlangt, sondern uns alles schenkt, hat die Kraft, uns tatsächlich zu verändern. Wer geistlich wachsen will, darf nicht über das Evangelium hinausgehen, sondern muss tiefer in dessen unerschöpfliche Tiefe vordringen.
Der vollständige Artikel ist hier zu lesen: The Gospel Coalition
