Die Gefahr lauert im Pelagianismus
Ein Tal voller vertrockneter Knochen ist kein Ort für oberflächlichen Optimismus. Es ist ein Ort, der nach dem schöpferischen Atem Gottes verlangt. In seiner Ansprache auf der G26-Konferenz in Abuja griff Bischof John Ashley Null dieses biblische Bild aus Hesekiel 37 auf, um die aktuelle Lage und die notwendige Neuausrichtung der weltweiten anglikanischen Gemeinschaft zu beschreiben.
Der Artikel von George Conger berichtet von Nulls eindringlichem Appell, die geistlichen Wurzeln Nordafrikas neu zu entdecken. Der Bischof argumentiert, dass eine Rückbesinnung auf die Theologie von Kirchenvätern wie Augustinus von Hippo und Tertullian nicht bloß akademische Nostalgie sei, sondern die Voraussetzung für geistliches Leben. Laut Null steht die Kirche vor der Herausforderung, sich inmitten globaler Realisierungen auf das Fundament der biblischen Gnade zu besinnen. Er betonte, dass die Kraft zur Erneuerung der „trockenen Knochen“ der Kirche allein im Evangelium der freien Gnade Gottes liege.
Anglikanische Leiter müssen das geistliche Erbe von Augustinus und Tertullian als lebendiges Zeugnis für Gottes Macht zurückfordern, trockene Gebeine allein durch die Gnade des Evangeliums wiederzubeleben.
Ashley Null, der in Berlin forscht und als einer der weltweit führenden Experten für die Theologie von Thomas Cranmer gilt, schlägt hier eine Brücke, die für uns heute entscheidend ist. Er identifiziert den Kern des Problems nicht in strukturellen Defiziten, sondern in einer theologischen Amnesie. Wenn wir über die Zukunft des anglikanischen Christentums – und der Kirche insgesamt – nachdenken, lauert die Gefahr oft im Pelagianismus: dem menschlichen Drang, sich durch eigene Anstrengung, moralische Besserung oder kluge kirchenpolitische Strategien selbst zu retten oder die Kirche aus eigener Kraft zu beleben.
Die Verweise auf Augustinus sind deshalb so präzise, weil dieser wie kein anderer den Kampf um die Souveränität Gottes in der Errettung führte. Ein Glaube, der die totale Abhängigkeit des menschlichen Herzens von Gottes zuvorkommender Gnade aus dem Blick verliert, wird zwangsläufig trocken und spröde. Er produziert Gesetzlichkeit oder Libertinismus, aber kein Leben. Für den Dienst des Evangeliums in Europa bedeutet dies: Wir brauchen keine neuen Methoden, die das menschliche Ego streicheln, sondern eine Verkündigung, die das Herz radikal vor das Kreuz führt. Wahre Reformation ist immer eine Rückkehr zur Quelle.
Diese Perspektive ist zutiefst biblisch und spricht jeden Christen an, der erkennt, dass sein eigenes geistliches Leben täglich auf das „Wunder der Wiederbelebung“ angewiesen ist. Es geht nicht um konfessionelle Folklore, sondern um die Verteidigung der Sola-Gratia-Theologie, die den Kern der Reformation bildet und in der Jerusalem Declaration Ausdruck findet. Nur eine Kirche, die ihre eigene Hilflosigkeit eingesteht, ist bereit, den Geist Gottes zu empfangen, der allein Leben gibt. Die Frage ist nicht, wie wir die Kirche reformieren, sondern ob wir bereit sind, uns vom Evangelium der Gnade neu erschüttern und beleben zu lassen.
Der vollständige Artikel ist hier zu lesen: anglican.ink
