Die Form der Nachfolge: Warum Christusähnlichkeit das Gesetz atmet
Hinter der Sehnsucht, „Jesus ähnlicher zu werden“, verbirgt sich oft eine gefährliche Unschärfe. Wir stellen uns eine sanfte, formlose Spiritualität vor, die sich eher an modernen Befindlichkeiten als an biblischen Kategorien orientiert. Doch James R. Wood korrigiert dieses Missverständnis in seinem bei Anglican Mainstream besprochenen Beitrag und erinnert uns daran, dass das Leben Jesu eine ganz bestimmte, nämlich eine „gesetzesgemäße“ Form hatte.
Der Autor argumentiert, dass die biblische Formung des Christen untrennbar mit dem Gesetz Gottes verbunden ist. Christus ist das „wahre Ebenbild Gottes“ (Kol 1,15), und dieses Ebenbild ist kein abstraktes Ideal. Es ist die lebendige Erfüllung dessen, was Gott in seinem Gesetz gefordert hat. Laut Wood bedeutet Christusähnlichkeit daher, in die Fußstapfen dessen zu treten, der das Gesetz nicht nur hielt, sondern dessen Wesen das Gesetz in vollkommener Schönheit widerspiegelt.
In der christlichen geistlichen Formung werden Bildträger Christus gleichgestaltet, dem wahren Ebenbild Gottes… Die Schrift rahmt das christliche Leben beständig als ein Wandeln in den Schritten Jesu ein (1. Petr 2,21), als ein Wandeln, wie er gewandelt ist (1. Joh 2,6).
Diese Einsicht ist für ein gesundes, reformiertes Verständnis der Heiligung unerlässlich. Oft neigen wir dazu, Gesetz und Evangelium so weit voneinander zu trennen, dass das Gesetz im Leben des Erlösten keine orientierende Kraft mehr besitzt. Doch hier liegt ein fundamentaler Irrtum: Während das Gesetz uns niemals rechtfertigen kann – das tut allein Christus durch den Glauben –, bleibt es für den Geheiligten der unverzichtbare Wegweiser, der sogenannte usus normativus. Es beschreibt die Konturen der Liebe, die Jesus am Kreuz und in seinem ganzen Leben bewiesen hat.
Wer das Gesetz ignoriert, verliert am Ende auch den Blick für Christus. Man kann den Sohn nicht lieben, ohne die Gebete und Gebote zu lieben, die sein Herzschlag waren. Ein Glaube, der sich von der moralischen Ordnung der Schrift löst, landet unweigerlich bei einem „selbstgemachten Jesus“, der rein zufällig genau das gutheißt, was unsere Kultur gerade für richtig hält. Wahre geistliche Reife zeigt sich dagegen in einer wachsenden Übereinstimmung unseres Charakters mit dem offenbarten Willen Gottes. Das ist keine Gesetzlichkeit, sondern die Frucht der Freiheit, die uns in der Rechtfertigung geschenkt wurde, um Gott endlich so zu dienen, wie es seinem heiligen Wesen entspricht.
Die entscheidende Frage für die Gestaltung unserer Gemeinden und unseres persönlichen Gebetslebens ist daher nicht, wie wir uns „geistlich fühlen“, sondern ob unser Leben jene gerechten Anforderungen Gottes widerspiegelt, die in Christus Fleisch geworden sind. Wahre Heiligung hat immer eine biblische Form.
Der vollständige Artikel ist hier zu lesen: Anglican Mainstream
