Alle Segnungen in Christus: Die Tiefe unserer Einheit

Manche Wahrheiten sind so fundamental, dass sie die gesamte Struktur unseres Glaubens tragen. Eine solche Wahrheit ist die der Einheit mit Christus – ein Konzept, das oft gehört, aber vielleicht nicht immer in seiner ganzen Fülle erfasst wird. Wir neigen dazu, unsere geistlichen Segnungen wie eine Checkliste abzuhaken: zuerst die Rechtfertigung, dann vielleicht die Kindschaft und irgendwann hoffentlich die Heiligung. Doch was, wenn diese Segnungen nicht als getrennte Etappen, sondern als untrennbare Realitäten unserer Stellung „in Christus“ zu verstehen sind?

Der Theoblog-Beitrag, der eine Passage von Sinclair Ferguson zitiert, greift genau diese wichtige theologische Nuance auf. Ferguson schreibt, die Segnungen des Evangeliums – wie Rechtfertigung, Kindschaft Gottes und Heiligung – würden oft so vermittelt, „als kämen sie in einer Art geradliniger chronologischer Reihenfolge zu uns“. Eine solche Vorstellung verzerrt unser Verständnis der Gnade und unserer Identität als Gläubige.

Die biblische Perspektive, die Ferguson impliziert und die unsere reformiert-anglikanische Theologie stark betont, ist eine tiefere. Sie lehrt, dass alle Segnungen des Evangeliums nicht linear und sequenziell empfangen werden, sondern simultan und unzertrennlich in unserer Einheit mit Christus begründet sind. Wenn wir „in Christus“ sind, sind wir es ganz und gar. Seine Gerechtigkeit wird uns voll zugerechnet (Rechtfertigung), wir werden vollständig in seine Familie aufgenommen (Kindschaft) und sind bereits zum Heiligtum abgesondert (Heiligung), auch wenn der Prozess der praktischen Heiligung unser ganzes Leben andauert.

Diese Wahrheit ist von immenser pastoraler Bedeutung. Sie befreit uns von dem Gefühl, einzelne „Level“ des Glaubens erreichen zu müssen, bevor wir uns bestimmter Segnungen würdig fühlen dürfen. Wenn wir in Christus sind, sind wir jetzt gerechtfertigt, jetzt Kinder Gottes und jetzt geheiligt in unserer Stellung vor Gott. Unsere praktischen Kämpfe mit der Sünde schmälern nicht die Wirklichkeit unserer Stellung. Wir kämpfen nicht um die Heiligung, sondern aus ihr heraus. Wir ringen mit der Sünde, weil wir bereits heilig sind und die Sünde im Widerspruch zu unserer wahren Identität in Christus steht.

Paulus wiederholt im Neuen Testament immer wieder Phrasen wie „in Christus“, „in dem Herrn“ oder „durch Christus Jesus“, um die alles entscheidende Bedeutung dieser Einheit zu unterstreichen (z.B. Römer 8,1; 2. Korinther 5,17; Epheser 1,3). Unsere gesamte Existenz, unser Status, unsere Hoffnung – all das findet seine Verankerung in Ihm. In Ihm sind wir nicht nur gesegnet; Er ist unsere Segnung. Das Evangelium lehrt uns nicht eine Reihe von Schritten, die zu befolgen sind, sondern eine Person, mit der wir vereint sind. Diese Einheit allein garantiert uns die vollumfängliche Gunst Gottes, sowohl jetzt als auch in Ewigkeit.

Diese Wahrheit lädt uns ein, den unermesslichen Reichtum, den Gott uns in Christus geschenkt hat, neu zu erfassen – einen Reichtum, der nicht gestückelt oder verzögert, sondern als Ganzes in Ihm empfangen wird. Er ist unser alles in allem.

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