Schatz in irdenen Gefäßen: Was wir aus den Krisen und dem Wachstum der ACNA lernen können
Wenn die Schlagzeilen einer Denomination von suspendierten Bischöfen, kirchengerichtlichen Verfahren und kritischen Medienberichten geprägt sind, liegt der Begriff des „Annus Horribilis“ nahe. Doch hinter den Erschütterungen der Anglican Church in North America (ACNA) zeigt sich ein vertrautes biblisches Muster. Wie Jeffrey Walton für Juicy Ecumenism berichtet, offenbarte das jährliche Treffen des Provincial Council in Tulsa, Oklahoma, ein paradoxes Bild: Während die Leitungsebene der jungen Provinz im Feuer der Prüfung steht, breitet sich das Evangelium an der Basis weiter aus.
Laut dem Bericht steht die ACNA derzeit unter „suchender öffentlicher Prüfung“, wie Bishop Julian Dobbs, der derzeitige kommissarische Leiter (Dean of the Province), in seiner Eröffnungsrede offen einräumte. Erzbischof Steve Wood ist bis zu einem kirchengerichtlichen Verfahren im Oktober von seinem Amt entbunden. Gleichzeitig leitete das Konzil Schritte zur Aufnahme einer neuen Diözese ein, trieb eine umfassende Überarbeitung der kirchenrechtlichen Disziplinarordnungen voran und verzeichnete Zuwächse bei den Mitgliederzahlen. Besonders konkret zeigt sich diese Dynamik in Fargo, North Dakota: Mit einer dortigen Gemeindegründung ist die ACNA nun in jedem einzelnen US-Bundesstaat vertreten.
Diese Gleichzeitigkeit von institutioneller Krise und missionarischem Wachstum führt uns zu einer einfachen biblischen Wahrheit zurück: Die Ausbreitung des Reiches Gottes hängt nicht an der unbefleckten Weste seiner Leiter, sondern an der Treue seines Herrn. Der Apostel Paulus erinnerte die Korinther daran, dass wir diesen Schatz in irdenen Gefäßen tragen – damit deutlich wird, dass die Kraft von Gott kommt und nicht von uns (2. Korinther 4,7). Wenn Strukturen wanken und Versagen offengelegt wird, ist das kein Grund zur Resignation, sondern ein Ruf zur Umkehr und Demut.
Es zeugt von geistlicher Reife, dass sich die ACNA in dieser Krise nicht defensiv abschottet, sondern ihre kirchenrechtlichen Disziplinarordnungen grundlegend überarbeitet. Eine biblisch treue Ekklesiologie zeichnet sich nicht durch die Illusion von Sündlosigkeit aus, sondern durch den Ernst, mit dem sie Sünde aufarbeitet. Wo rechtliche Standards geschärft und Rechenschaftspflichten eingefordert werden, dient die Kirchenordnung ihrem eigentlichen Zweck: Sie schützt die Herde und wahrt die Ehre Christi.
Die Entwicklung in North Dakota macht zudem deutlich, dass der Missionsbefehl nicht pausiert, während eine Denomination ihre internen Konflikte löst. Gemeindegründung ist kein Luxusprojekt für ruhige Zeiten, sondern das Lebenszeichen einer gesunden Kirche. Wenn einzelne Diözesen sich verpflichten, jährlich drei neue Gemeinden zu gründen, zeugt dies von einem gesunden Vertrauen in die schöpferische Kraft des Evangeliums.
Die Situation der ACNA liefert eine wichtige Lektion. Sie mahnt uns, unsere Hoffnung weder auf charismatische Persönlichkeiten noch auf scheinbar makellose Institutionen zu setzen. Der Trost für die Gemeinde liegt darin, dass Christus seine Kirche selbst baut – oft trotz der Schwachheit derer, die sie leiten, und immer durch das beharrliche Zeugnis derer, die sein Wort verkündigen.
Der vollständige Artikel ist hier zu lesen: Juicy Ecumenism
