Das Gebetbuch Christi: Warum wir lernen müssen, die Psalmen neu zu predigen
Psalmen werden oft als Spiegel der Seele gelesen; wir suchen in ihnen Worte für Schmerz, Freude oder Klage. Doch diese subjektive Sicht greift zu kurz, wenn die Lieder bloß als Projektionsfläche für eigene Gefühle dienen. Sie sind zuerst das Gebetbuch Christi und seiner Kirche. Ein tiefes Verständnis ihres theologischen Aufbaus ist für die Verkündigung daher ebenso wichtig wie pastorale Empathie.
Am 2. und 3. Oktober 2026 bietet der EZRA-Workshop in Unna die Gelegenheit, dieses Handwerk zu vertiefen. Unter der Leitung von Rudi Tissen geht es laut einem Bericht von Evangelium21 darum, die Psalmen strukturell zu erfassen und konsequent christozentrisch auszulegen. Das Angebot richtet sich an Pastoren sowie ehrenamtliche Prediger und Kleingruppenleiter, wobei ein Schwerpunkt auf der Förderung des Nachwuchses liegt.
Der Workshop ist eine gute Gelegenheit, junge Prediger an die Hand zu nehmen und sie darin wachsen zu lassen, das Wort Gottes treu und verständlich zu verkündigen.
Das Programm verbindet Theorie mit intensiver Praxis. In Arbeitsgruppen werden Kurzpredigten entwickelt, gehalten und anschließend gemeinsam reflektiert. Dahinter steht die Überzeugung, dass geistliche Kommunikationsfähigkeit kein reines Naturtalent ist, sondern ein Handwerk, das durch Korrektur und gemeinschaftliches Nachdenken geschliffen wird.
In der reformierten Tradition hat der Psalter einen besonderen Stellenwert. Johannes Calvin nannte ihn treffend eine „Anatomie aller Teile der Seele“. Doch diese Anatomie bleibt unvollständig, wenn der Blick auf Christus fehlt. Wer Psalmen predigt, sollte nicht bei moralischen Ratschlägen oder psychologischer Ermutigung stehen bleiben. Es gilt zu zeigen, wie der leidende Gerechte, der triumphierende König und der messianische Hirte in Jesus ihre Erfüllung finden. Eine Auslegung von Psalm 22 ohne das Kreuz oder von Psalm 2 ohne die Herrschaft des Auferstandenen lässt die Gemeinde geistlich hungrig zurück.
Wo kirchliches Leben oft zwischen kühlem Intellektualismus und reiner Emotion pendelt, bieten die Psalmen einen dritten Weg. Sie lehren eine Spiritualität, die den ganzen Menschen einbezieht, ohne die Autorität der Schrift preiszugeben. Trainings wie der EZRA-Workshop stärken die Verbindung zwischen exegetischer Genauigkeit und geistlicher Leidenschaft. Ziel ist es, die alte Sprache Zions so zu übersetzen, dass Gemeinden nicht nur über Gott hören, sondern lernen, im Vertrauen auf Christus mit ihm zu sprechen.
Der vollständige Artikel ist hier zu lesen: evangelium21.net
