Wenn Frömmigkeit zur Flucht wird: Eine Warnung von Francis Schaeffer

In einer Zeit, in der Spiritualität oft als eine rein persönliche, subjektive Erfahrung verstanden wird, verliert die Frage nach der Wahrheit an Bedeutung. Doch reicht ein Glaube, der sich allein auf das Gefühl stützt und auf Antworten verzichtet? Diese Frage ist für die Kirche von entscheidender Bedeutung.

Das Portal TheoBlog.de erinnert an eine scharfsinnige Beobachtung des Theologen und Philosophen Francis Schaeffer. Er warnt vor einer Haltung, die auf den ersten Blick zutiefst fromm erscheint, bei genauerem Hinsehen aber den Kern des Glaubens aushöhlt. Schaeffer beschreibt eine Form der Spiritualität, die mit dem Satz zusammengefasst werden kann: „Ich frage nicht nach Antworten, ich glaube einfach.“ Wie er in seinem Buch „Gott ist keine Illusion“ ausführt, klingt dies zwar „ungeheuer fromm“, ist aber eine Täuschung, die viele in die Irre führt.

Schaeffers Kritik richtet sich nicht gegen einen schlichten, kindlichen Glauben, sondern gegen eine intellektuelle Flucht vor der Wahrheitsfrage. Der biblische Glaube ist keine inhaltsleere Entscheidung, sondern ein begründetes Vertrauen. Er hat einen konkreten Gegenstand: das Handeln Gottes in der Geschichte, bezeugt in der Heiligen Schrift und gipfelnd in der Person und dem Werk Jesu Christi. Die Apostel verstanden sich nicht als Vermittler mystischer Erfahrungen, sondern als Zeugen historischer Ereignisse (vgl. 1. Johannes 1,1-3). Unser Heil ruht nicht auf der Intensität unserer Gefühle, sondern auf der objektiven, vollbrachten Tatsache des Kreuzes und der Auferstehung.

Ein Glaube, der den Verstand ausklammert, wird letztlich kraftlos und anfällig für jeden Zeitgeist. Die reformatorische Tradition, zu der auch das klassische Anglikanertum gehört, hat stets betont, dass Herz und Verstand gemeinsam Gott anbeten. Schaeffers Warnung ist daher heute so relevant wie damals: Echte Frömmigkeit flieht nicht vor der Wahrheit, sondern findet in ihr ihre feste und freudige Heimat.

Quelle: TheoBlog.de

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