Die Genschere und der ‚Wahnsinn‘: Wenn Embryo-Design an die menschliche Würde rührt

Ein Schweizer Spitzenforscher manipuliert menschliche Embryonen mit höchster Präzision in einem US-Labor. Für viele ein spannender Test neuer Techniken, doch für den Bonner Genetiker Markus Nöthen ein Vorbote des „Wahnsinns“. Diese Debatte um die ethischen Grenzen der Gentechnik ist erneut entbrannt, nachdem der Stammzellexperte Dieter Egli vielversprechende Experimente zur Manipulation menschlicher Embryonen veröffentlichte.

Der aktuelle Bericht beschreibt Eglis Arbeit an der Columbia-Universität in New York, wo er die sogenannte „Base-Editing“-Methode einsetzt. Diese Technologie ist eine Weiterentwicklung der bekannten Genschere CRISPR-Cas9 und ermöglicht es, einzelne Basen im Erbgut zu verändern, ohne die DNA komplett zu zerbrechen. Angeblich zielte die Forschung vordergründig darauf ab, die Sicherheit dieser schonenden Technik an gespendeten Embryonen zu prüfen. Die Versuche werden derzeit von vielen als „wichtige, aber momentan unbedenkliche Zwischenschritte“ in der Grundlagenforschung eingeordnet.

„Die Experimente an den Menschenembryonen seien „lange noch nicht der entscheidende Schritt zum Embryo-Editing“ – und deshalb als methodisch angelegte Grundlagenforschung „an sich ethisch unproblematisch“. Tatsächlich ist die Forschung an Embryonen in den USA anders als in Deutschland in vielen Ländern nicht nur erlaubt, sie wird auch gefördert – heute vorweigend mit privaten Mitteln.“

Doch gerade diese vermeintliche Harmlosigkeit täuscht, wie Markus Nöthen, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Humangenetik, vehement einwendet. Seine Kritik richtet sich nicht primär gegen die Methode an sich, sondern gegen die „Zielrichtung“ solcher Experimente. Nöthen warnt eindringlich vor Bestrebungen, „polygenen Merkmale bei Embryonen“ zu verändern oder Embryonen aufgrund von „Genscores“ zu selektieren. Solche Praktiken, so Nöthen, führen „ganz klar in eine eugenische Richtung“, ein Pfad, den er als „Wahnsinn“ bezeichnet. Seine Befürchtungen werden durch die Finanzierung solcher Forschung untermauert: Firmen wie Nucleus Genomics, investieren mit Unterstützung umstrittener Milliardäre wie Peter Thiel, genau in die „Optimierung von Merkmalen des Menschen“.

Hier prallen Weltbilder frontal aufeinander. Ein säkulares Streben nach technologischer Optimierung kollidiert mit der biblischen Wahrheit: Der Mensch ist als Abbild Gottes geschaffen (1. Mose 1,27). Diese Imago Dei verleiht jedem menschlichen Leben einen unantastbaren Wert, der von keinem Gen-Score oder potenziellen Merkmal abhängt. Die Sehnsucht, den Menschen „verbessern“ zu wollen, wurzelt oft in dem Irrglauben, durch eigene Leistung und technologischen Fortschritt eine Perfektion erreichen zu können, die der Sündenfall uns raubte.

Doch die wahre Heilung der menschlichen Gebrochenheit geschieht nicht auf der Ebene des Genoms, sondern im Herzen, durch die Gnade Jesu Christi. Das Evangelium verkündet: Gott sucht nicht die genetisch Makellosen, sondern die, die ihre Fehlerhaftigkeit anerkennen und sich seinem Erbarmen zuwenden. Christus kam für die Kranken, die Schwachen, die Unvollkommenen. Er selbst nahm menschliche Schwachheit an, um uns durch sein Kreuz zu erlösen.

Eugenische Bestrebungen, menschliches Leben nach optimierenden Kriterien zu formen, sind ein gefährlicher Weg. Sie höhlen die Würde jedes Individuums aus und drohen, eine Gesellschaft zu schaffen, die lediglich den „perfekten“ Menschen toleriert. Als Christen stehen wir dafür ein: Die unveräußerliche Würde jedes Menschen – von der Empfängnis an bis zum natürlichen Tod – ist in Gottes Liebe verankert, nicht in einem Gen-Score. Die Versuchung, Gott spielen zu wollen, führt unweigerlich in den Abgrund.

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