Luthers Prüfstein für echten Glauben
Manche Christen zucken zusammen, sobald von guten Werken die Rede ist. Sie fürchten, die Rechtfertigung aus Glauben zu beschädigen. Martin Luther, der leidenschaftliche Kämpfer für den Glauben allein, hätte dieses Zucken nicht verstanden.
Der kurze Beitrag auf TheoBlog zitiert Luther aus seiner Auslegung des Galaterbriefs. Der Satz ist ein geistlicher Prüfstein: Werke retten nicht, aber sie offenbaren, ob der Glaube echt ist.
Es ist aber sehr vonnöten, nach dem Beispiel Pauli, die Gläubigen zum Gutestun zu ermahnen, also dazu, daß sie ihren Glauben durch gute Werke üben; wenn die Werke dem Glauben nicht folgen, ist es das gewisseste Zeichen, daß ihr Glaube nicht wahr ist.
Luther redet hier nicht als Buchhalter, der Verdienste aufrechnet, sondern als Seelsorger, der Heuchelei entlarvt. Er folgt Paulus: Der Glaube ist durch die Liebe tätig (Gal 5,6). Wenn keine Werke folgen, ist der Glaube tot – Jakobus hätte es nicht anders gesagt. Luther kämpfte an zwei Fronten: gegen die Werkgerechtigkeit Roms und gegen die Antinomer, die meinten, Werke seien nach der Rechtfertigung bedeutungslos. Dieses Zitat zielt auf die zweite Front.
Die reformierte Tradition hat diese Spannung treu bewahrt: Rechtfertigung allein durch Glauben, aber Glaube ist niemals allein. Werke sind die Frucht, nicht die Wurzel. Wo keine Frucht wächst, stimmt etwas mit der Wurzel nicht. Paulus schreibt in Epheser 2,10: „Wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.“ Werke sind keine Eintrittskarte; sie zeigen, dass wir längst eingetreten sind.
Für Christen in Deutschland bedeutet das: Wir müssen nicht ängstlich nach innen starren, ob unser Glaube stark genug ist; wir können nüchtern nach außen schauen, ob er sichtbar wird. Nicht, um Punkte zu sammeln, sondern weil der Heilige Geist uns neu gemacht hat. Ein Glaube, der nur aus Worten besteht, ist verdächtig. Gott braucht unsere Leistung nicht. Ein lebendiger Glaube aber kann gar nicht anders, als zu lieben, zu dienen und zu gehorchen.
Luthers Satz ist kein Gesetz, das uns knechtet; er ist ein Spiegel, der uns ehrlich macht. Die Frage ist nicht, ob wir genug tun, sondern ob das, was wir Tun, aus einem lebendigen Glauben fließt. Fehlen die Werke, steht die Echtheit des Glaubens infrage, nicht die Rechtfertigung. Diese Wahrheit befreit und bleibt unbequem.
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