Stethoskop und Kanzel: Warum Martyn Lloyd-Jones die Anti-Psychiatrie-Bewegung ablehnte

Martyn Lloyd-Jones war bereits ein gefragter Arzt am Londoner Hof, bevor er sich ganz dem Predigtamt widmete. Als er sein Stethoskop zur Seite legte, blieb sein medizinisches Verständnis Teil seines Denkens: Er war überzeugt, dass man die Seele nicht heilen kann, wenn man den Körper ignoriert.

Ein Beitrag auf TheoBlog.de erinnert an eine Intervention des „Doctors“ aus dem Jahr 1974. Vor christlichen Medizinern warnte Lloyd-Jones damals vor einer pauschalen Ablehnung der Psychiatrie in der Gemeinde. Er äußerte deutliche Vorbehalte gegen Konzepte, wie sie etwa Jay Adams in seiner „Biblischen Seelsorge“ vertrat.

Der Arzt und Prediger Martyn Lloyd-Jones war zu seinen Lebzeiten sehr besorgt darüber, dass einige Theologen, Pastoren und Seelsorger sich der Anti-Psychiatrie-Bewegung anschlossen. Auch gegenüber Thesen von Jay Adams […] äußerte er grundlegende Vorbehalte.

Diese Sorge entsprang seinem Verständnis des Menschen als Einheit aus Leib und Seele. Wenn die Gehirnchemie gestört ist, können Symptome entstehen, die zwar geistlich wirken, aber physische Ursachen haben. Eine Seelsorge, die hinter jedem psychischen Leiden automatisch eine Sünde vermutet, hielt er nicht für biblisch, sondern für grausam.

Theologisch betrachtet ist die Medizin ein Ausdruck der allgemeinen Gnade Gottes, um menschliche Gebrechlichkeit zu lindern. Wer die Psychiatrie grundsätzlich ablehnt, landet schnell bei einer Art Gnostizismus, der den Körper als spirituell belanglos abtut. Das Evangelium gilt jedoch dem ganzen Menschen in seiner Hinfälligkeit.

Für die Gemeinden bedeutet das: Seelsorger müssen erkennen, wann ihr Rat endet und ein Arzt übernehmen muss. Es zeugt nicht von Kleinglauben, bei Depressionen oder Angstzuständen medizinische Hilfe zu suchen. Vielmehr ist es die Anerkennung unserer geschöpflichen Grenzen. Wahre geistliche Reife zeigt sich darin, Gottes Souveränität im Gebet ebenso wie im Fachwissen eines Mediziners zu suchen.

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