Gottes Wort schafft sich Gehör: Warum das Evangelium kein Nischenprodukt ist

Wer heute evangelisiert, gerät leicht in die Versuchung, die christliche Botschaft als passgenaue Lösung für menschliche Bedürfnisse anzupreisen – fast wie ein Produkt für eine Marktlücke. Doch das verkennt eine theologische Grundspannung: Muss das Evangelium an Vorhandenes anknüpfen oder bricht es als etwas völlig Fremdes in ein Leben ein? Dirk Scheuermann (Albrecht-Bengel-Haus) geht dieser Frage in einer Rezension für die Arbeitsgemeinschaft für evangelikale Theologie (AfeT) nach; er bespricht darin Wolf Christian Jaeschkes Buch „Menschenfischen & Schafeweiden“.

Die Untersuchung greift ein Kerndilemma der praktischen Theologie auf: Ist die Botschaft die Erfüllung dessen, was Menschen ohnehin suchen, oder ist sie das „schlechthin Andere“, das sich sein Gehör erst selbst schaffen muss?

Ist das den Menschen verkündete Evangelium die Erfüllung dessen, was sie schon immer gesucht haben, oder ist es das schlechthin Andere, das sich sein Gehör erst selbst schaffen muss?

Diese Unterscheidung prägt die gesamte Praxis des Gemeindebaus. Wer das Evangelium nur als Antwort auf bereits gestellte Fragen präsentiert, riskiert eine Banalisierung: Aus dem Ruf zur Umkehr wird ein Angebot zur Selbstoptimierung. Scheuermann fordert hier eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Tiefe des Sündenfalls und der Souveränität Gottes.

Biblisch betrachtet trägt der Mensch zwar eine Unruhe in sich, die ihn auf seinen Schöpfer verweist. Gleichzeitig lehrt die Schrift, dass diese Wahrheit unterdrückt wird. Der Mensch ist nicht bloß orientierungslos, sondern geistlich tot. Ein natürlicher Anknüpfungspunkt für die Gnade existiert daher nicht aus eigener Kraft. Das Kreuz bleibt für den natürlichen Verstand kein Wunschkonzert, sondern ein Ärgernis.

Evangelisation bedeutet deshalb nicht, psychologische Marktlücken zu besetzen, in denen Christus gerade noch Platz findet. Sie vertraut darauf, dass Gottes Wort den Glauben selbst weckt. Wie Gott am Anfang Licht in die Finsternis sprach, so schafft der Heilige Geist durch die Verkündigung neues Leben. Unser Vertrauen ruht nicht auf rhetorischer Geschicklichkeit, sondern auf der Zusage, dass Gottes Wort nicht leer zurückkehrt. Eine Kirche, die den Anstoß des Evangeliums wegerklärt, verliert ihre eigentliche Kraft.

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