Advent: Mehr als die halbe Wahrheit – Zwischen Krippe und Wiederkunft

Die Adventszeit steht vor der Tür und lädt uns als Christen ein, innezuhalten und uns auf das Wesentliche zu besinnen. Doch was genau ist dieses „Wesentliche“? Für viele verbindet sich der Advent primär mit der Vorbereitung auf Weihnachten, dem Gedenken an Jesu Geburt. Diese Perspektive ist zweifellos wichtig, wie ein lesenswerter Artikel auf Evangelium21.net beleuchtet. Der Autor erinnert uns jedoch daran, dass dies nur die „halbe Wahrheit“ des Advents ist.

Der Artikel führt sorgfältig aus, dass das lateinische Wort „adventus“ – „Ankunft“ – in der Heiligen Schrift zweifach verwendet wird. Im ersten Kommen kam Christus in Demut und Stille, um sein Reich aufzurichten und sein Volk zu erlösen. Das erste Kommen, vom Autor als „verborgen und still“ beschrieben, findet seinen Ausdruck in den Worten des Weihnachtsliedes: „In aller Stille gab der Herr Sein herrlich großes Heil.“ Doch die Schrift spricht auch von einer zweiten Ankunft, einer Wiederkunft Christi in Herrlichkeit und Macht.

Diese beiden „Ankünfte“ Christi bilden einen Gegensatz und sind dennoch miteinander verbunden. Sie unterscheiden sich in der Art und Weise seines Kommens. Das erste Kommen geschah in vielerlei Hinsicht verborgen und still. […] Nicht so jedoch bei der Wiederkunft Christi. Sie wird öffentlich und laut sein.

Diese Unterscheidung ist für unseren Advent von größter Bedeutung. Wenn wir uns ausschließlich auf die erste Ankunft – die Krippe, die Windeln, die Stille Bethlehems – konzentrieren, übersehen wir einen wesentlichen Teil Gottes Erlösungsplan. Das Werk Christi, obwohl in seiner Geburt begonnen, wird erst mit seiner Wiederkunft vollendet sein. Der Artikel drängt uns, diese beiden untrennbar verbundenen Aspekte des Evangeliums nicht gedanklich zu trennen. Das Erlösungswerk Christi wird umrahmt von diesen beiden Ankünften.

Für uns als Christen in Europa bedeutet dies, den Advent nicht nur als nostalgische Erinnerung an ein vergangenes Ereignis zu begehen, sondern auch als eine Zeit der freudigen Erwartung auf die kommende Vollendung. Der Advent ruft uns auf, über die Wiederkunft Christi zu meditieren, während wir sein erstes Kommen ehren. Dies schützt uns vor einer Verengung des Evangeliums und stärkt unsere Hoffnung in einer oft unsicheren Welt. Ein Kollektengebet aus dem Book of Common Prayer von 1928, welches der Artikel am Ende zitiert, fasst diese Haltung prägnant zusammen: „O Gott! Du hast uns durch das alljährliche Gedenken an die Geburt Deines eingeborenen Sohnes Jesus Christus erfreut. Verleihe, dass wir, die wir Ihn als unseren Erlöser schon empfangen haben, Ihm auch mit gewisser Zuversicht entgegensehen, wenn Er als unser Richter erscheinen wird.“ Mögen wir diesen Advent in seiner ganzen Fülle begehen und unser Herz sowohl auf die Geburt als auch auf die Wiederkunft unseres Herrn ausrichten. Amen.

Quelle: Evangelium21.net

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