27 Drohnen über El-Obeid: Die unbeugsame Stimme des Friedens

Siebenundzwanzig Drohnenangriffe in einem einzigen Monat. Auf eine Stadt mit einer halben Million Einwohnern. Auf Schulen, Märkte, Tankstellen, Verkehrswege. Hinter diesen nüchternen Zahlen des Schreckens stehen Gesichter, zerstörte Existenzen und die nackte Angst einer Bevölkerung, die im nordsudanesischen El-Obeid gefangen ist.

Wie die Nachrichtenseite *anglican.ink* berichtet, intensivieren die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) und ihre Verbündeten ihre Angriffe auf diese strategisch wichtige Stadt. Inmitten dieses tödlichen Chaos hat sich der anglikanische Bischof Ismael Gabriel erneut zu Wort gemeldet. Sein wiederholter Ruf nach Frieden richtet sich laut Bericht an alle Konfliktparteien – und ist gleichzeitig ein unüberhörbares Signal an eine Weltöffentlichkeit, die wegzusehen droht.

Wenn ein Bischof in einer solchen Trümmerlandschaft das Wort ergreift, ist das kein wohlfeiler Pazifismus und kein diplomatisches Ritual. Es ist prophetischer Dienst in seiner reinsten Form: das Unrecht beim Namen zu nennen, während die Granaten fallen. Die Versuchung im Krieg ist immer die totale Polarisierung, das Aufgehen im Hass. Die Stimme der Kirche setzt hier einen bewussten Kontrapunkt. Sie erinnert daran, dass der Mensch nach dem Bilde Gottes geschaffen ist und Gewalt niemals das letzte Wort behalten darf.

Diese Haltung ist tief in der Heiligen Schrift verwurzelt. Wenn der Prophet Jeremia den deportierten Israeliten nach Babylon schreibt: „Suchet der Stadt Bestes… und betet für sie zum HERRN“ (Jeremia 29,7), dann ist das kein Aufruf zur stillen Anpassung. Es ist die Aufforderung, mitten im Exil, inmitten feindseliger Strukturen, ein Zeugnis der Hoffnung und des Lebens aufzurichten. Der Friede (Hebräisch Shalom), den die Bibel meint, ist kein bloßes Schweigen der Waffen. Er ist der umfassende Zustand der Gerechtigkeit und der Versöhnung, der letztlich nur in Gott seine Quelle hat.

Der neutestamentliche Hebräerbrief fordert die Gläubigen auf: „Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird“ (Hebräer 12,14). Hier wird deutlich: Wer Gott sucht, kann dem Leiden seines Nächsten nicht gleichgültig gegenüberstehen. Der Kampf für den Frieden ist eng mit dem heiligen Leben der Gemeinde verknüpft. Wo Zivilisten sterben und Schulen brennen, wird die Schöpfungsordnung Gottes angegriffen.

Bischof Ismael Gabriel spricht nicht als politischer Stratege. Er spricht als Hirte, der den Schmerz seiner Herde teilt. Seine Stimme verleiht den Opfern eine Würde, die ihnen der Krieg rauben will. Er handelt nach der Aufforderung aus den Sprüchen Salomos: „Tue deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind“ (Sprüche 31,8).

Dass die Kirche im Sudan trotz jahrzehntelanger Bedrängnis, Armut und Vertreibung standhält und ihr Zeugnis bewahrt, ist ein sichtbares Zeichen der Treue Gottes. Sie klammert sich an Christus, der „unser Friede“ ist (Epheser 2,14). Dies ist kein konfessionelles Privileg, sondern das Fundament des christlichen Glaubens: Mitzuleiden, wenn ein Glied des Leibes leidet, und die Wahrheit des Evangeliums auch im Angesicht des Todes zu bekennen.

Für uns im sicheren Westen ist die Versuchung groß, den Konflikt im Sudan als eine weitere unlösbare Tragödie abzutun. Doch wer zu Christus gehört, kann den Schmerz der Geschwister in El-Obeid nicht ignorieren. Das Gebet für den Sudan ist kein bloßes Alibi, sondern die geistliche Verbundenheit mit einer leidenden Kirche. Es fordert uns heraus, unsere Stimme dort zu erheben, wo wir können – im Gebet, in praktischer Hilfe und im bewussten Hinsehen.

Am Ende steht die nüchterne Erkenntnis: Eine Stimme, die im Bombenhagel unbeugsam vom Frieden spricht, zeugt von einer Hoffnung, die diese Welt nicht geben kann. Sie verweist auf den gekreuzigten und auferstandenen Herrn, dessen Reich der Gerechtigkeit am Ende triumphieren wird – über jede Drohne und jede Macht der Zerstörung.

Der vollständige Artikel ist hier zu lesen: anglican.ink

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